Teleologischer Gottesbeweis Beispiel Essay

Gliederung

0. Einleitung

1. Anselm von Canterbury - Sein Leben -

2. 1. Kapitel: Antrieb des Geistes zur Betrachtung Gottes

3. 2. Kapitel: Dass in Wahrheit Gott existiert

4. 3. Kapitel: Dass nicht gedacht werden kann, dass er nicht existiert

5. 4. Kapitel: Wie „der Tor im Herzen gesprochen hat“, was nicht gedacht werden kann

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

8. Abkürzungen

0. Einleitung

Wer sich heute mit den Versuchen der Scholastiker, die Existenz Gottes zu beweisen auseinandersetzt, kann sich kaum einer gewissen Verwunderung entziehen: die Vernunft scheint nicht gerade das angebrachte Mittel zum Erfassen dieses numinosen Gegenstandes zu sein. Doch diese Versuche sind durchaus ernst gemeint. Vernunft hatte die Kritik an Glaubenssätzen einst ermöglicht und sollte nun die Überlegenheit der christlichen Theologie gegenüber konkurrierenden Heils- und Weltanschauungslehren (z. B. Islam, Judentum, byzantinische Theologie, aufkommende Wissenschaft) sichern.[1] Amselm wollte mit seinen streng rationalen Konstruktionen die Wahrheit des augustinisch gedeuteten Christentums beweisen. Er wollte mit Hilfe der Beweisführung die monastische Lebensform vertiefen und das Selbstbewusstsein der westlichen Kirche gegenüber dem z.B. Islam stützen.[2] Die Existenz Gottes wurde auf verschiedene Weisen zu begründen versucht. So schloss man vom Vorhandensein der kontingenten Welt auf die Existenz einer außerweltlichen, notwendigen Ursache (kosmologischer Gottesbeweis) oder auf ein Ziel, auf das hin die Welt zustrebt (teleologischer Gottesbeweis). Während diese Beweisformen von empirischen Voraussetzungen ausgehen, versucht eine dritte Gruppe von Gottesbeweisen ihr Beweisziel aus dem Begriff Gottes herzuleiten (ontologischer Gottesbeweis). Der wohl berühmteste Vertreter dieser Gruppe ist der Beweis des Anselm von Canterbury. Dieser löste eine heftige Kontroverse aus, die bis heute anhält. So wurde er z. B. von Thomas von Aquin und Kant verworfen, während Descartes von seiner Schlüssigkeit überzeugt war und ihn sogar als conditio sine qua non in sein metaphysisches System einbaute. Anselms Beweis von der Existenz Gottes wird bis heute kontrovers diskutiert. Zeitgenössische Kritiker bemühen ausgeklügelte Logiken, um die Gültigkeit des anselmianischen Arguments zu überprüfen.

1. Anselm von Canterbury - Sein Leben -

Anselm wurde als Sohn einer wohlhabenden Familie in Aosta (Norditalien) geboren und trat 1060 dem von dem englischen Prälaten Lanfranc geführten Benediktinerorden in Bec (Normandie) bei. Später, nachdem Lanfranc nach England berufen und zum Erzbischof von Canterbury ernannt wurde, wurde Anselm zum Abt von Bec gewählt. Während dieser Jahre wuchs sein Ansehen aufgrund seiner Studien und seiner Frömmigkeit und die Mönche forderten ihn auf, die Meditationen aufzuschreiben, die seinem Unterricht zugrunde lagen. Daraufhin verfasste er das "Monologium" (1077, "Selbstgespräch"), worin er - über den Einfluss des heiligen Augustinus von Hippo reflektierend - von Gott als dem höchsten aller Wesen spricht und die Attribute Gottes untersucht. Ermutigt von diesem Erfolg fährt er fort in seinen Bemühungen, seinen Glauben verständlich zu machen und vollendet 1078 das "Proslogion" ("Gespräche"), den zweiten Teil dessen, was im 18. Jahrhundert als ontologischer Gottesbeweis bekannt werden sollte. Anselm vertrat die Auffassung, dass auch diejenigen, welche die Existenz Gottes anzweifeln, ein gewisses Verständnis von dem, was sie anzweifeln, haben müssen.[3] Das ist kurz gesagt, dass Verständnis von Gott als einem Wesen, das von nichts denkbar Größerem überragt werden kann. Vorausgesetzt, dass eine Existenz außerhalb des Geistes größer ist als innerhalb desselben, wäre es ein Widerspruch, an der Existenz Gottes zu zweifeln, da der Zweifler davon ausgehen würde, dass es etwas größeres gibt als ein Wesen, das von nichts denkbar Größerem überragt werden kann. Folglich ergibt sich für Anselm per Definition, dass Gott notwendigerweise existiert. Der Hauptpunkt in der Kritik an Anselms Beweisführung ist die Überlegung, dass man durch die bloße Definierung von etwas nicht auf dessen Existenz außerhalb des Geistes schließen kann. Anselms Argumentation wurde sowohl von einem seiner Zeitgenossen, dem Mönch Gaunilo von Marmoutier, angefochten, wie auch von den späteren Philosophen Thomas von Aquin und Immanuel Kant.

Im Jahr 1093 wurde Anselm zum Nachfolger von Lanfranc als Erzbischof von Canterbury berufen. Als Erzbischof geriet Anselm in Konflikt mit König Wilhelm II., Nachfolger von Wilhelm dem Eroberer, und zwar wegen der Befreiung der Kirche von der Obrigkeit des Königs. Sowohl in wie auch außerhalb Englands und während des Exils in Italien führte Anselm ein Leben voller Konflikte mit den weltlichen Machthabern. Jedoch setzte er seine theologischen Überlegungen trotz dieser Machtkämpfe weiter fort und schrieb "Cur Deus Homo" (deutsch: "Warum Gott Mensch wurde"), eine Studie über die Inkarnation und Kreuzigung Christi, als Weg der Sühne für die Sünden der Welt.[4]

[...]



[1] Flasch, K., Das philosophische Denken im Mittelalter.Von Augustin zu Machiavelli, Stuttgart, 2000,S.204

[2] Ebd. S.207.

[3] Flasch, K., Das philosophische Denken im Mittelalter.Von Augustin zu Machiavelli, Stuttgart, 2000, S. 206

[4] Flasch, K., Das philosophische Denken im Mittelalter.Von Augustin zu Machiavelli, Stuttgart, 2000, S 208.

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1. Der Kosmologische Gottesbeweis
2. Funktion und Relevanz der Gottesbeweise

II. Der Kalam Gottesbeweis – William Lane Craig
1. Allgemeiner Aufbau
2. Prämisse (1)
3. Prämisse (2)
4. Zwischenkonklusion (3)
5. Prämisse (4)
6. Kritik am kalam Gottesbeweis

III. The Existenz of God - Richard Swinburne
1. Geschichte und Relevanz
2. Warum induktiv ?
3. Kriterien guter induktiver Argumente
4. Der Beweis

IV. Schluss

V. Literaturverzeichnis

VI. Quellenverzeichnis

I. Einleitung

Lässt sich die Existenz Gottes beweisen?

An dieser Frage und der mit ihr einhergehenden Problematik scheiden sich von Grund auf die Geister. Ist es möglich? Wie geht man an eine solche Thematik heran? Solche und ähnliche Fragen sind dabei nur einzelne Beispiele des immensen Fragekatalogs der sich daraus entwickeln lässt. Den Anfang bildet dabei schon das Problem, was wir unter dem Begriff des Beweises verstehen, denn einen solchen nach der Art der Physik und anderer Naturwissenschaften lässt sich nicht erbringen, da wir ein geistiges, transzendentes Wesen wie Gott mit ihren Methoden nicht fassen können. Wie also vorgehen? Die Antwort hierauf befindet sich in der Logik und ihren argumentativen Methoden, denn sie bietet uns die Möglichkeit die Existenz eines Metaphysischen Gegenstandes zu demonstrieren.[1] Wie bei dieser Argumentation vorgegangen wird, führt wiederum zur Unterscheidung der verschiedenen Gottesbeweise, wobei der ontologische, kosmologische und teleologische die am häufigsten vertretenden Arten sind. Diese wurden im Laufe der Zeit von Größen der Philosophie und Theologie wie Aristoteles, Thomas von Aquin, Leibnitz, etc. aufgestellt, kritisiert, umformuliert und weiterentwickelt.

Doch seit den Entwicklungen, die in der Neuzeit und der Aufklärung ihren Anfang hatten, zeichnete sich ein enormer Fortschritt innerhalb der Naturwissenschaften ab, sodass diese mit ihrer empirischen Forschung zum Primaten der Erkenntnisgewinnung wurden und damit metaphysische Konzepte wie den Gottesbeweis verdrängten. Denn für einen Wissenschaftsgläubigen besitzt die Philosophie und Theologie keinerlei allgemeingültigen Ergebnisse.

Deswegen beschäftigt sich diese Arbeit mit der Frage, in wie weit es heutzutage möglich ist einen Gottesbeweis aufzustellen und diesen dabei in den Kontext mit den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften zu bringen? Der kosmologische Gottesbeweis wird dabei als Beispiel für diesen Versuch herangezogen, da er zum einen einer der wichtigsten Varianten des Gottesbeweises ist und er zum anderen auch heute noch häufig aufgegriffen und diskutiert wird.

1. Der Kosmologische Gottesbeweis

Gottesbeweise versuchen die Existenz Gottes durch rationale Argumentation zu zeigen. Dabei gehen sie so vor, dass der Satz „Ein göttliches Wesen existiert“ aus anderen Sätzen hervor geht, deren Wahrheitsgehalt als erwiesen gilt.[2] Je nach Herangehen an diese Argumentation entsteht eine Unterscheidung und führt damit zu den verschiedenen Arten des Gottesbeweises. Die kosmologische Variante setzt dabei an der Existenz der Welt an und argumentiert so, dass das Dasein Gottes als notwendiger Grund dafür zu sehen ist.[3] Aus dieser Grundannahme kristallisierten sich auch innerhalb des Kosmologischen Beweises verschiedene Formen heraus. Die erste uns bekannte Form stammte aus der Physik und Metaphysik des Aristoteles, in der er durch die kosmologische Untersuchung der Bewegung argumentiert und Gott als den „unbewegten Beweger“, die letzte Ursache aller Bewegung sieht.[4] Dabei ging er davon aus, dass alles was in Bewegung ist, durch etwas bewegt wird und man damit aber zu einem Punkt kommt, an dem es einen Anfang dieser Prozesskette geben muss, eben den oben genannten unbewegten Beweger. Dieser Beweis wurde bis ins europäische Spätmittelalter angeführt und rezeptiert.

Die zweite traditionelle Hauptform des kosmologischen Arguments, „ist der Beweis der letzten Wirkursache“. Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Ereignisse der raumzeitlichen Welt immer andere Ereignisse voraussetzen, die sie beeinflusst oder bedingt haben. Daraus wurde die zentrale Prämisse abgeleitet, dass die Welt insgesamt auch einer Ursache bedürfe, die sie bewirkt hat.[5] Dieser Beweis ist im Gegensatz zu der Konklusion des unbewegten Bewegers auch in der gegenwärtigen Diskussion, wie dem Kalam Gottesbeweis, immer noch präsent.

Die dritte Form, die es bezüglich des kosmologischen Arguments gibt, ist der“ Beweis aus der Kontingenz der Ereignisse in der Welt“.[6] Dieser geht davon aus, dass die Ereignisse und Dinge die eingetreten und vorhanden sind, auch hätten nicht sein können. Was daraufhin zur Folge hätte, dass die Existenz einer letzten nicht Kontingenten und daher notwendigen Ursache für die Welt von Nöten wäre. Dieser Beweis wird als 3. Argument von Thomas von Aquin in seinen fünf Wegen aufgeführt.

2. Funktion und Relevanz der Gottesbeweise

Zuallererst, vor der Untersuchung des kosmologischen Gottesbeweises in der modernen Zeit, muss allerdings noch die Frage der Relevanz und der Funktion von Gottesbeweisen geklärt werden, da sie aus verschiedenen Bereichen Kritik erfahren haben.

In erster Linie lässt sich sagen, dass es sich bei den Gottesbeweisen um ein Problem der Philosophie handelt und nicht unbedingt der Religion[7], weswegen im Angesicht der Kirche, Gottesbeweise häufig mit sehr großer Skepsis betrachtet wurden. Denn für sie kann Gott nur durch den Glauben und durch die Offenbarung erschlossen werden. Dem entgegen versuchten jedoch berühmte Theologen wie Thomas von Aquin die Meinung der Kirche, dass Gottesbeweise nur relevant für die Philosophie sind und in der Theologie überflüssig seien, zu wiederlegen. Dabei unterstrich Thomas in seiner Schrift „Summe gegen die Heiden“ die Bedeutung der Gottesbeweise innerhalb der Theologie. Denn für ihn bedarf es dieser Gottesbeweise zum einen, um der Haltung der Kirche zu wiedersprechen, dass für jeden die Existenz Gottes evident sei. Was aber seiner Ansicht nach nur an der Gewohnheit liegen würde, die Gläubige von Anfang an durch das Hören und Anrufen entwickeln[8]. Zum anderen wollte er zeigen, dass ein Beweis für die Existenz Gottes geführt werden kann, was viele bezweifelten. Deswegen entkräftete er das Argument, dass Gott durch Vernunft (Gottesbeweis) überhaupt nicht gefunden werden kann, sondern nur mithilfe des Glaubens, durch eine in mehrere Schritte gegliederte Argumentation. Dabei erläutert er zuerst, dass häufig der Fehler gemacht wird die Wesenheit mit dem Sein Gottes zusammenzulegen, also die „Was“ und die „Ob“ Frage, der Gottesbeweis aber wiederum nur die Antwort auf die Seins Frage geben kann. Genauso dürfe man fernerhin den Namen nicht mit der Definition gleichsetzen, da ansonsten dadurch kein Weg zum Beweis übrig bleiben würde[9], was eine Kritik am ontologischen Vorgehen Anselms ist. Weiterhin erläutert er als drittes Argument den Weg des induktiven Erkenntnisprozesses, indem von den Wirkungen auf die Ursachen geschlossen werden kann und bekräftigt dieses Argument durch eine Stelle des Neuen Testamentes. Diese sollte den induktiven Erkenntnisprozess durch den damals vorherrschenden Wahrheitsanspruch der Bibel bekräftigen. In dieser Stelle heißt es: „Das Gottes unsichtbares Wesen, seine ewige Kraft und seine Göttlichkeit, seit der Erschaffung der Welt in dem gemachten wahrgenommen werden kann.“[10]

Durch diese Argumentation zeigt Thomas von Aquin schlussendlich die Möglichkeit wie etwas, dass die sinnliche Wahrnehmung übersteigt und damit nicht erfasst werden kann, doch wahrgenommen werden kann, da seine Wirkung sinnlich erkennbar ist. Damit wird ersichtlich, dass auch über den Weg der Vernunft Gott erschlossen werden kann.

In der Philosophie entwickelten sich Gottesbeweise aus den Überlegungen über den Anfang aller Dinge. Dabei gingen die verschiedene Theorien der ersten Naturphilosophen von Elementen wie Feuer, Wasser, Luft als Anfang aus, bis der Naturphilosoph Anaxagoras im 6 Jh. V. Chr. diese verwarf und den selbstständigen, weltordnenden Geist an den Anfang setzte.[11] Ab diesem Punkt waren das Göttliche und damit die Gottesbeweise in der Philosophie präsent. Sie waren in Metaphysischen Systemen, wie dem unbewegten Beweger des Aristoteles oder als Idee des Guten bei Platon. Im laufe der Zeit wurden diese wiederum von verschiedenen Philosophen weiterentwickelt, sie führten die Konzepte weiter, stellten eigene Argumente auf, kritisierten oder verwarfen Sie. Dabei blieb die Grundantwort, ihre Funktion betreffend, immer die gleiche, da man sie als nichts anderes sehen sollte, als das was sie zu sein beanspruchen, nämlich Beweise für die Existenz Gottes[12]. In ihrer Art und Weise zeigen sie jedoch exemplarisch, was die Philosophie als Wissenschaft leisten kann. Sie verdeutlichen uns was wir mit rationalen Mitteln überhaupt wissen können und wo die Grenzen unseres Wissens liegen[13]. Auch gerade wegen der doch sehr umfangreichen Streitkultur, die sich seit Beginn um sie herum entwickelt hat, in Form von Behauptung und Wiederlegung, Einwänden und Gegeneinwänden bilden, die Gottesbeweise die Idealform von Philosophie überhaupt.[14] Des Weiteren verjährt der Wahrheitsanspruch von Gottesbeweisen nicht, da sich dieser aus der logischen Argumentation ergibt und damit immer im Bezug zur Gegenwart gesehen werden sollte, was uns ermöglicht Gottesbeweise, die vor langer Zeit ausgearbeitet wurden, mit Erkenntnissen und Theorien der gegenwärtigen Wissenschaften in Verbindung zu bringen.

II. Der Kalam Gottesbeweis – William Lane Craig

Eine der Heute wohl bekannteren Versionen eines kosmologischen Beweises für die Existenz Gottes ist der Kalam Gottesbeweis, der zur zweiten traditionellen Gruppe gehört und sich damit auf die letzte Wirkursache bezieht. Einer der bekannteste Vertreter der gegenwärtigen Diskussion ist dabei Professor William Lane Craig, der eine von ihm dem heutigen Erkenntnisstand innerhalb der Philosophie und Naturwissenschaft entsprechend angepasste Version vertritt. Der historische Ursprung dieses Beweises geht zurück auf frühe christliche Theologen wie Johannes Philoponus, der im 6 Jahrhundert in Alexandrien lebte. Dieser vertrat die biblische Lehre des „creatio ex nihilo“ und versuchte die aristotelischen Doktrinen und Vorstellungen der Unendlichkeit des Universums zu wiedersprechen[15]. Nach der Eroberung und Islamisierung Nordafrikas wurde diese Argumentation bis ins Mittelalter durch die islamischen Philosophen al-Kindi (ca.801-873) und al-Ghazali (1058-1111) fortgeführt und weiterentwickelt. Durch sie wurde der Name „Kalam“ für den Beweis geprägt, der auf arabisch „Rede“ bedeutet, hier aber bezeichnend für die Schule der islamischen Scholastik verwendet wird[16].

Das Besondere am Kalam Argument ist jedoch, dass nach Jahrhunderten in denen es nicht weiter rezipiert worden ist, es nun seit ein paar Jahrzehnten wieder ins Zentrum des Interesses gerückt ist. Der Gegenwartsphilosoph Quentin Smith drückte das neu erwachte Interesse sehr anschaulich aus, indem er den Beweis so beschrieb, dass es sich bei ihm entweder, um ein Argument von ungewöhnlichem philosophischem Interesse oder aber dass die Grundidee des Beweises eine solche Plausibilität besitzt, dass Philosophen anregt sich mit ihm zuzuwenden und ihn zu untersuchen[17].Die Grundstruktur des Kalam Beweises ist dabei auf drei große Grundfragen, die in Form einer Folge auftreten, aufgebaut. Dieses Fragen führen, falls sie mit ja beantwortet werden. zur jeweiligen nächsten Fragestufe und beantwortet so schlussendlich die Frage nach der Existenz Gottes. Diese Fragen lauten wie folgt: Hatte das Universum einen Anfang? Wurde der Anfang des Universums verursacht? Handelt es sich um eine Verursachung durch eine Person?[18]

1. Allgemeiner Aufbau

Der logische Aufbau und damit die entscheidenden Schritte des Kalam- Arguments können sodann in dieser Form dargestellt werden, wobei der Schritt (3) als Zwischenkonklusion aus den Prämissen (1) und (2) folgt und die Konklusion (5) aus den Schritten (3) und (4):

(1) Whatever begins to exist has a cause of its existence.
(2) The universe began to exist.
(3) Therefore, the universe has a cause of its existence
(4) If the universe has a cause, then an uncaused, personal Creator of the universe exists, who sans the universe is beginningless, changeless, immaterial, timeless, spaceless and enormously powerful.
(5) Therefore, an uncaused personal Creator of the universe exists who sans the universe is beginningless, changeless, immaterial, timeless, spaceless and enormously powerful. [19]

Diese Argumentation ist vom Standpunktunkt der Logik aus als gültig und damit logisch wahr anzusehen, weswegen die Diskussion sich auf die Stimmigkeit und die Herleitung der einzelnen Prämissen bezieht.

2. Prämisse (1)

(1) Whatever begins to exist has a cause of its existence.

Die Richtigkeit der ersten Prämisse des Kalam Gottesbeweises, dass alles was existiert aufgrund einer Ursache existiert, lässt sich in erster Linie schon durch den sensus comminus bzw. common sense bestätigen. Dieser bezeichnet den Begriff des gesunden Menschenverstandes, in Bezug auf den alltäglichen Umgang mit Dingen.[20] Unser Menschenverstand sagt uns, dass es um ein vieles logischer und wahrscheinlicher ist, dass alles was da ist durch etwas verursacht wurde und nicht einfach aus dem Nichts aufgetaucht ist. Schon innerhalb der aristotelisch-platonischen Philosophie schrieb man, „ex nihilo nihil fit“, aus dem Nichts entsteht nichts. Wobei es zwar Theorien innerhalb der Quantenmodelle des Universums gibt, die dem wiedersprechen könnten, da sie von sogenannten „virtuellen Partikeln“ ausgehen, welche spontan aus dem Quantenvakuum hervorgehen. Diese aber, wenn man sie näher betrachtet, der Aussage „ex nihilo nihil fit“ nicht wiedersprechen, da es aus der fälschlichen Annahme hervorgeht, dass das Vakuum mit Nichts gleichzusetzen ist. Quantenvakua sind dabei als lokale oder globale Energieminima definiert[21], weswegen in ihnen nicht Nichts ist. Folglich lässt sich sagen, wenn wir den Bereich der Existenz aus dem Nichts betreten, wir das Gebiet der ernsthaften Physik sowie Metaphysik verlassen und die Sphäre der Magie betreten, in der ein Zauberer einfach einen Hasen erscheinen lässt.

Wenn wir nun aber auf das Gedankenexperiment eingehen und sagen, dass das Universum einfach so aus dem Nichts entstanden ist, kommen wir an den Punkt, an dem man fragen muss, warum nicht auch andere Dinge, oder besser gesagt einfach alles, aus dem Nichts hervorgeht, was dem common sense widersprechen würde. Warum sollte das Universum eine Ausnahme sein und bevorzugt werden, wo wir doch hierfür keinerlei Begründung haben und das Nichts keinerlei Eigenschaften besitzt die diese Annahmen rechtfertigen würden?[22] Letztlich widerstrebt, die Existenz aus dem Nichts vor allem unseren Erfahrungen und damit verbunden auch der Wissenschaften mit ihrer empirischen Forschung, weswegen sie versucht absolute Ursprünge zu vermeiden, was schon seit Epikur und Lukrez als Richtschnur für die Forschung gilt, wie der Wissenschaftsphilosoph Bernulf Kanitscheider es ausdrückte.[23]

3. Prämisse (2)

(2) The universe began to exist

Die zweite entscheidendere, aber auch komplexere Prämisse des Kalam Gottesbeweises bedarf hierbei nun einer etwas ausführlicheren Klärung. Denn die Frage, ob das Universum einen Anfang hat, ist ein von jeher sehr strittiges und heftig diskutiertes Thema. Dabei gibt es sowohl in der Philosophie, als auch in den Naturwissenschaften Beweise für einen Anfang. Aus diesem Grund werden hier nun gleich aus beiden Bereichen, die jeweils zwei bekannteren Nachweise gegen die Existenz eines infiniten temporalen Regresses angeführt. Innerhalb der Philosophie präsentiert Craig dabei zuerst 2 traditionelle Argumente und führt dann aus dem Bereich der Naturwissenschaften zum einen die Erkenntnisse an, die die Astronomie und Astrophysik in den letzten 50 Jahren in Bezug auf die Entstehung unseres Weltalls gemacht hat und den daraus resultierenden Modellen und zum anderen die Folgen die sich aus dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, dem Entropiesatz.

Das erste philosophische Argument das für den Beginn des Universums argumentiert, basiert auf der Unmöglichkeit der Existenz eines aktual Unendlichen und dem Nachweis, dass ein infiniter temporaler Regress ein aktual Unendliches wäre:

(2.11) An actual infinite cannot exist.
(2.12) An infinite temporal regress of events is an actual infinite
(2.13) Therefor, an infinite temporal regress of events cannot exist[24]
(2.11) An actual infinite cannot exist

Um diese Prämisse näher erläutern zu können, müssen zu allererst die Begrifflichkeiten und die damit verbundenen Unterscheidungen betrachtet werden. Das sogenannte aktual oder tatsächliche Unendliche wurde vom deutschen Mathematiker Georg Cantor(1845 -1918) so definiert, dass eine Menge aktual unendlich ist, wenn einer ihrer Teile gleich dem Ganzen ist. Weiterhin führte er eine deutliche Unterscheidung zum potentiellen bzw. möglichem Unendlichen ein, dass er auch als „veränderliches Endliches“ bezeichnete.[25] Diese hier aufgeführte Abgrenzung entsteht dadurch, dass ein potentiell Unendliches sich zwar unbeschränkt ausdehnt, was in etwa so beschrieben werden kann, dass man nie aufhören würde zu addieren oder subtrahieren, dies aber zur Folge hat, dass die Menge zu allen Zeiten endlich ist. Der große deutsche Mathematiker David Hilbert formulierte diese Unterscheidung so, dass ein potentiell Unendliches immer auf eine Grenze der Unendlichkeit hinwächst, wohingegen ein tatsächliches Unendliches eine abgeschlossene Gesamtheit mit einer tatsächlich unendlichen Anzahl von Dingen ist.[26]

Als zweites muss weiterhin die Bedeutung des in der Prämisse verwendeten Verbs „existieren“ in Bezug auf ein aktual Unendliches näher geklärt werden. Denn hierbei muss es auch zu einer Unterscheidung kommen. Zum einen gibt es nämlich die Existenz im mathematischen Sinne und zum anderen, die völlig andere der Objekte innerhalb der physischen Welt.[27] Die Zweite bezieht sich dabei nämlich nur auf die Existenz in der realen Welt, oder anders formuliert, außerhalb der Gedankenwelt, wohingegen die mathematische Existenz rein gedanklicher Natur ist. Weiterhin ist die Prämisse der Unmöglichkeit eines aktual Unendlichen nur auf die physische Existenz bezogen und greift damit in keiner Weise die theoretischen Modelle der Mathematik an, noch erkennt es deren Richtigkeit oder Legitimität ab. Um nun das Paradoxon eines aktual Unendlichen in der realen Welt zu verdeutlichen, eigenen sich am besten ein paar Gedankenexperimente als Beispiele, die deren Folgen aufzeigen würden. William Lane Craig stellte dabei das Beispiel einer Bibliothek mit einer tatsächlich unendlichen Anzahl an Büchern auf. Weiterhin wären diese Bücher abwechselnd in 2 Farben unterteilt, rot und schwarz, so könnten wir sagen, es gibt gleich viele von jeder Farbe und es wäre soweit noch logisch nachvollziehbar und unserer Intuition entsprechend. Aber wenn wir nun sagen die Anzahl der schwarzen Bücher wäre gleich der Anzahl der roten und schwarzen zusammen, so würden wir widersprechen, da es unserem Verständnis entsprechend viel mehr sein müssten. Doch die Aussage, dass es gleich viele sind, würde bei einer aktual unendlichen Menge der roten und schwarzen Bücher stimmen. Auch wenn wir nun weiterhin die Bücher durchnummerieren und jedem Buch eine Zahl auf den Rücken schreiben, so würde jede Zahl bis hin zum Unendlichen auf einem Buch geschrieben stehen. Als Folge könnten wir der Bibliothek nie wieder ein neues Buch hinzufügen, da alle Zahlen schon verwendet wurden. Des Weiteren könnten wir versuchen, die Anzahl der Bücher in der Bibliothek zu beeinflussen, indem wir neue Bücher schreiben und reinstellen oder Bücher verbrennen. Als Folge müsste es nun mehr oder weniger Bücher geben, was jedoch nicht der Fall ist, da die Anzahl der Bücher immer noch dieselbe wie zuvor wäre.[28]

[...]



[1] J. Bromand S.10

[2] J. Bromand, S.13

[3] P. Schmidt-Leukel, S. 97

[4] Aristoteles, Metaphysik XII, 6

[5] J. Bromand, S. 14

[6] J. Bromand, S. 14

[7] J. Bromand, S. 10

[8] Thomas von Aquin, S. 7

[9] Thomas von Aquin, S. 13

[10] Röm. 1,20 Elberfelder Bibel

[11] H. Küng, S. 60

[12] J. Bromand, S. 15

[13] J. Bromand, S.13

[14] J. Bromand, S.10

[15] W. Craig, In. Gottesbeweise, S. 564

[16] W. Craig, In. Gottesbeweise, S. 502

[17] W. Craig, In. Gottesbeweise, S. 564

[18] W. Craig, In. Gottesbeweise, S. 503

[19] W. Craig, In. The Kalam cosmological argument S. 102

[20] UTB Philosophie- Lexikon - “common sense”

[21] J. Borrow In. Die Existenz Gottes und der Ursprung des Universums S. 62

[22] W. Craig In. The Kalam cosmological argument S. 186

[23] B. Kanitscheider In. Gottesbeweise S. 593

[24] W. Craig, In. The Kalam cosmological argument S. 103

[25] G. Cantor, In. Gottesbeweise, S. 567

[26] D. Hilbert, In. Die Existenz Gottes und der Ursprung S. 38

[27] E. Kasner u J. Newman, In. Gottesbeweise

[28] W. Craig, In. Die Existenz Gottes und der Ursprung S. 39

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